Alles fällt aus? Wählen in Corona-Zeiten

Blüten statt Viren!
Blüten statt Viren!

Ein paar Gedanken zur Corona-Gefahr und zum Wahltag##

Ja, Corona. Nach drei Wochen Beruhigen und Maßhalten ging es jetzt jeden Tag Schlag auf Schlag. Wir haben auch von uns aus alle Veranstaltungen zum Wahlkampf-Endspurt abgesagt. Auch die Dienstfahrten, die Kurse und Seminare, die Fortbildung und das Jubiläum. Alles wird abgesagt, und das ist auch richtig. Die Sorge, dass jemand Schaden nehmen könnte, ist groß und leitet uns alle.
Alles ist abgesagt, wir sollen alle, sei es auf Kanzlerinnenwort hin oder die eigene innere Stimme, unsere sozialen Kontakte nach unten fahren.

Es ist beeindruckend, wieviel plötzlich geht, wenn es mal wirklich auf uns ankommt. Wie schnell man merkt, dass man nicht nur für sich und die eigene Familie, sondern für die ganze Gemeinschaft denken und richtig handeln muss. Nicht mehr ins Büro laufen, wenn man eh schon erkältet ist oder sich was von den MitfahrerInnen in S-Bahn, U-Bahn oder Tram geholt hat. Nicht noch schnell den diesen Winter ohnehin raren Schnee ausnützen und in die Berge fahren, denn natürlich hat das Virus aus Oberitalien nicht an den Alpen Halt gemacht. Erst kam nur Südtirol in den Blick, jetzt auch die österreichischen Skigebiete, aus denen deutsche Touristen nachhause und direkt in zwei Wochen freiwillige Quarantäne geschickt wurden. Keine Party, kein Familientreffen. Es kann, im privaten wie auch im beruflichen Leben, das meiste warten oder in reduzierter Form und digital ablaufen.

Unser Dorf erscheint seltsam leer, wenig Leute unterwegs. Im Supermarkt ist es leer und leergekauft, nicht nur das Regal für Toilettenpapier, sondern auch das Gemüseregal. Aber ich hole unser Obst und Gemüse auch lieber im Hofladen... Dort war normaler, aber kein übermäßiger Betrieb. Ein paar Nachfragen bei Nachbarn und Bekannten, an der Haustür und aus sicherem Abstand. Kein Handschlag, keine Bussis, aber ein schönes Lächeln zur Begrüßung.

Und beim Wählen ist es auch ruhig. Aber es haben sich über fünfhundert Menschen alleine für die Kreistagswahl zur Verfügung gestellt, und in den 21 Landkreisgemeinden noch einmal über 2000 Kandidatinnen und Kandidaten. Und mehrere hundert Leute aus der Verwaltung und Freiwillige als Wahlhelferinnen und Wahlhelfer. Das ist doch großartig!

Also hin ins Wahllokal, in die Schule, in den Kindergarten, ins Rathaus, ins Bürgerstüberl. Auch Wahlhelferinnen machen sich Sorgen wegen der Coronagrippe, aber die Abstände sind groß genug, die Kabinen auf Abstand gestellt, die Urnenabdeckungen werden mit ausgestrecktem Arm zum Einwurf der vier Stimmzettel freigegeben. Wählen ist immer ein Erlebnis. Dies ist die Coronawahl, und vielleicht ist deswegen die Wahlbeteiligung auch geringer, mag sein. Aber die Menschen gehen paarweise ins Wahllokal, auch mal eine größere Familie, und das ist dann schon die größte Gruppe, die man trifft. Und alle sind freundlich zueinander.

Wir entdecken gerade jetzt in der Coronakrise neu, was unsere Gemeinschaft wert ist. Nicht das Ich ist wichtig, sondern das Wir. Wir tun langsam. Wir helfen uns gegenseitig. Wir passen aufeinander auf. Wir werden uns freuen, wenn wir gemeinsam das alles überstehen und unser früheres Leben wieder aufnehmen können, hoffentlich nicht ganz so hektisch und gesprengt. Aber noch nicht jetzt, und nicht in den nächsten Wochen. Wir schonen uns gerade gegenseitig, und nehmen uns neu wahr, als den Anderen, den Mitmenschen, als Teil einer fürsorglichen Gemeinschaft. Das ist bei aller Sorge dann doch etwas sehr Gutes, was wir jetzt durch die Corona-Vorsicht kennenlernen oder neu entdecken dürfen.

Bettina Marquis,
Vorsitzende des SPD-Kreisverbands Ebersberg